In unserem Artikel für die IT-Sicherheit "Backup-Umgebung mit S3 Storage cyberresilient und kosteneffizient modernisieren" haben wir dafür plädiert, stärker auf ein unveränderbares S3-Object-Storage-Modell zu setzen, wenn es darum geht, die eigene Backup-Umgebung zu modernisieren. Dies nicht nur angesichts des heutigen Anschaffungsaufwands mit Blick auf Hardware am Markt, sondern gerade mit Blick auf die Kritikalität und Souveränität Ihrer Daten, um diese nicht nur cyber- und datensicherer, sondern gegen alle Szenarien ausfallsicherer zu machen.
Für die Offsite-Kopie ihrer Backups setzen die meisten Unternehmen inzwischen auf S3-kompatiblen Object Storage. Welcher Anbieter passt, entscheidet sich selten am Preis pro Terabyte allein. Aufbewahrungsfristen, Restore-Szenario und Datenstandort wiegen mindestens genauso schwer. In diesem Artikel vergleichen wir Wasabi, Impossible Cloud, Amazon S3, Azure Blob Storage, Veeam Data Cloud Vault und den Empalis Sovereign Vault.
Worauf es bei der Auswahl von S3-Speicher ankommt
In Beratungsgesprächen lautet die erste Frage fast immer: „Was kostet das pro TB?“ Die Antwort führt oft in die Irre, weil die Anbieter sehr unterschiedlich abrechnen.
Klären Sie vor der Entscheidung vier Punkte
- Kostenmodell: Fester Preis pro TB oder nutzungsbasiert mit Gebühren für API-Requests (PUT/GET) und Datenabfluss (Egress)? Gibt es eine Mindestspeicherdauer, nach der gelöschte Daten weiter berechnet werden?
- Datenstandort und Rechtsraum: Liegen die Daten in Deutschland oder der EU, und unterliegt der Anbieter als US-Unternehmen dem CLOUD Act?
- Restore-Szenario: Holen Sie die Daten im Ernstfall zurück ins eigene Rechenzentrum, oder starten Sie die Systeme direkt in der Cloud?
- Und die Sicherheit: Wer hat administrativen Zugriff auf den Speicher, und wie ist die Unveränderbarkeit (Immutability, etwa per S3 Object Lock) umgesetzt?
S-3 Storage: Anbietervergleich auf einen Blick
*Details, Vor- und Nachteile sowie Preise zu jedem Anbieter finden Sie in den nachfolgenden Abschnitten.
| Anbieter | Kostenmodell | Mindestspeicherdauer | Standort/Rechtsraum | Passt besonders für |
| Wasabi |
Fixpreis pro TB (USD), keine API-Gebühren, Egress frei bis zur gespeicherten Menge |
90 Tage (Pay as you go), 30 Tage (Reserved) |
14 Standorte weltweit, US-Anbieter |
Internationale Unternehmen,Aufbewahrung ab 90 Tagen |
| Impossible Cloud |
Fixpreis pro TB (EUR),keine API- und Egress-Gebühren |
keine |
EU (u. a. DE, NL), deutscher Anbieter |
Günstige, souveräne Offsite-Kopie inEigenregie |
|
Amazon S3 |
Nutzungsbasiert: Speicher + Requests + Egress |
je nach Speicherklasse 0 bis 90 Tage |
39 Regionen weltweit, US-Anbieter |
Workloads laufen bereits in AWS |
|
Azure Blob Storage |
Nutzungsbasiert: Speicher + Requests + Egress |
Cool 30, Cold 90, Archive 180 Tage |
80+ angekündigte Regionen, US-Anbieter |
Workloads laufen bereits in Azure |
|
Veeam Data Cloud Vault |
Fixpreis pro TB (USD), höchstes Preisniveau, Restores inklusive (Foundation mit Fair Use) |
30 Tage |
Azure oder AWS, US-Hyperscaler |
Veeam-Kunden mit Cloud-DR und Instant Recovery to Azure |
|
Empalis Sovereign Vault |
Fixpreis pro TB (EUR), keine API- und Egress-Gebühren |
keine |
Deutschland, deutscher Anbieter |
KRITIS/NIS2, getrennte Zugriffe,Souveränität ohne eigenes Cloud-Know-how |
Wasabi - für internationales Geschäft
Wasabi rechnet mit einem festen Preis pro TB ab, derzeit 7,99 US-Dollar pro TB und Monat im Pay-as-you-go-Modell [1]. API-Requests kosten nichts, Egress ist frei, solange Sie pro Monat nicht mehr herunterladen, als Sie gespeichert haben [1]. Mit 14 Standorten in Nordamerika, Europa und Asien-Pazifik, darunter Frankfurt, Amsterdam, Paris und Mailand [2], eignet sich Wasabi gut für international aufgestellte Unternehmen, die ihre Backups nahe an den jeweiligen Niederlassungen ablegen wollen.
Der Haken steht im Kleingedruckten. Im Pay-as-you-go-Modell gilt eine Mindestspeicherdauer von 90 Tagen: Löschen Sie ein Objekt früher, berechnet Wasabi die verbleibenden Tage als „Timed Deleted Storage“ weiter, bei Reserved Capacity sind es 30 Tage [1]. Die Daten altern abrechnungstechnisch also zeitversetzt aus. Bei 14 Tagen Aufbewahrung zahlen Sie jeden gelöschten Block noch 76 Tage weiter bei einem Pay-as-you-Go Modell. Je nach Änderungsrate liegt die berechnete Kapazität damit deutlich über dem, was im Bucket sichtbar ist.
Lohnt sich für
Internationale Unternehmen mit mehreren Standorten und Aufbewahrungsfristen ab 30 Tagen (RCS Model).
Bedenken Sie: Wer kurze Retention fährt, sollte die Mindestspeicherdauer vorher durchrechnen. Zudem ist Wasabi ein US-Unternehmen; prüfen Sie, ob das zu Ihren Vorgaben bei der Datensouveränität passt.
Impossible Cloud – souveräner S3-Speicher in Eigenregie
Impossible Cloud sitzt in Hamburg und betreibt seinen S3-kompatiblen Speicher ausschließlich in europäischen Rechenzentren, unter anderem in Deutschland und den Niederlanden [3]. Abgerechnet wird ein fester Preis von 7,99 Euro pro TB (Pay-as-you-Go) und Monat, ohne Egress- und API-Gebühren im Rahmen einer Fair-Use-Regelung [3]. Object Lock wird unterstützt, die Anbindung an z.B. Veeam ist dokumentiert [3].
Gegenüber Wasabi entfällt das Währungsrisiko, und Anbieter wie Daten bleiben im europäischen Rechtsraum. Der größte Vorteil: Impossible Cloud kennt keine Mindestspeicherdauer [13]. Was Ihre Backup-Software löscht, fällt sofort aus der Abrechnung, auch bei kurzen Aufbewahrungsfristen. Global ist Impossible Cloud nicht aufgestellt. Bucket, Zugangsschlüssel und Object-Lock-Einstellungen verwalten Sie selbst, die Sicherheit hängt also direkt an Ihren eigenen Admin-Prozessen.
Lohnt sich für
Deutsche und europäische Unternehmen, die eine günstige, souveräne Offsite-Kopie in Eigenregie betreiben wollen.
Bedenken Sie: S3-Storage in Eigenregie betreiben setzt voraus, dass Sie Cloud-Know-how im eigenen Hause mitbringen, als den Service-Aufwand selbst tragen und ist in Puncto Sicherheit nicht gleichzusetzen mit der 3rd-Copy im Medienbruch.
Amazon S3 und Azure Blob Storage: S3-Storage innerhalb Ihrer Hyperscaler-Umgebung
Bei den Hyperscalern setzt sich der Preis aus mehreren Bausteinen zusammen: Speicher pro GB, Gebühren pro PUT-, GET- und LIST-Request, Egress beim Abruf aus der Cloud und, je nach Speicherklasse, eine Mindestspeicherdauer. Bei Azure sind das 30 Tage im Cool-, 90 im Cold- und 180 im Archive-Tier [8]. Bei AWS gelten 30 Tage für S3 Standard-IA und 90 für Glacier Instant Retrieval [7].
Für Backups unterschätzen viele die Request-Kosten. Veeam z.B. legt Backups in vielen kleinen Objekten ab, ein großer Full-Backup-Lauf erzeugt dadurch Millionen PUT-Requests. Größere Blockgrößen senken die Zahl der Requests, vergrößern aber die Inkremente. Beim Restore ins eigene Rechenzentrum kommt Egress hinzu, und zwar genau in der Situation, in der niemand über Budgets diskutieren möchte.
Die Stärke liegt woanders. Laufen Ihre Workloads ohnehin in AWS oder Azure, bleibt der Datenverkehr in der Region, Restores in EC2-Instanzen oder Azure-VMs liegen nahe, und die Abdeckung ist kaum zu schlagen: AWS betreibt derzeit 39 Regionen mit 124 Availability Zones [11], Microsoft nennt für Azure mehr als 80 angekündigte Regionen [12]. Für Souveränitätsanforderungen hat AWS im Januar 2026 die AWS European Sovereign Cloud in Brandenburg gestartet [9].
Lohnt sich für: Unternehmen, deren Produktion bereits weitgehend in AWS oder Azure läuft, sowie für weltweit verteilte Umgebungen.
Bedenken Sie: Für die reine Offsite-Kopie eines lokalen Rechenzentrums ist das nutzungsbasierte Modell schwer planbar.
Veeam Data Cloud Vault – speziell für Veeam-Kunden
Veeam Vault ist ein von Veeam verwalteter Speicher, den Sie in Veeam Backup & Replication wie ein normales Object-Storage-Repository einbinden. Die Edition Foundation kostet 14 US-Dollar, Advanced 24 US-Dollar pro TB und Monat, jeweils jährlich im Voraus [4]. Enthalten sind API-Calls sowie Lese- und Egress-Vorgänge: bei Foundation bis 20 % der gebuchten Kapazität pro Jahr, bei Advanced unbegrenzt [4]. Die Daten liegen in Azure Blob Cool, bei Foundation lokal redundant (LRS), bei Advanced zonenredundant (ZRS) [4]. Inzwischen gibt es Vault auch auf AWS-Basis mit S3 Infrequent Access [5]. Die Mindestaufbewahrung beträgt 30 Tage [4].
Der höhere Preis kauft Ihnen zwei Dinge. Der Speicher ist immer immutable und logisch vom Produktivsystem getrennt, ohne dass Sie Object Lock selbst konfigurieren [5]. Und die Backups liegen bereits in der Cloud: Mit Instant Recovery to Microsoft Azure starten Sie Workloads direkt aus dem Backup als Azure-VM, zunächst mit eingeschränkter Performance, bis die eigentliche Wiederherstellung abgeschlossen ist [6].
Lohnt sich für
Veeam-Kunden, die im Ernstfall möglichst schnell in die Cloud wiederherstellen wollen und kein eigenes Cloud-Know-how aufbauen möchten. Veeam basiert auf Azure oder AWS, bietet aber für Veeam-Kunden zum Festpreis an.
Bedenken Sie: Vault ist an Veeam gebunden, wird in US-Dollar abgerechnet und läuft auf der Infrastruktur von US-Hyperscalern.
Empalis Sovereign Vault – Resilienter und souveräner S3-Speicher für maximale Sicherheit
Mit dem Empalis Sovereign Vault (ESV) bietet Empalis einen S3-kompatiblen Speicher an, der in Deutschland entwickelt wurde und hier von uns gehostet und betrieben wird [10]. Abgerechnet wird ein fester Preis pro TB, ohne API-, Transfer- oder Egress-Gebühren und ohne Mindestaufbewahrungsdauer [10]. Alle Daten liegen dauerhaft auf der Performance-Ebene, im Notfall können mehr als 100 Restores parallel starten [10].
Der wesentliche Unterschied zu den anderen Anbietern ist die Trennung der Zugriffe (separation of duy): Backup, Storage und Administration sind bewusst voneinander getrennt, Ihre eigenen Administratoren haben keine administrativen Rechte auf den ESV [10]. Ein kompromittiertes Admin-Konto im eigenen Haus reicht also nicht, um die Offsite-Kopie zu löschen oder Aufbewahrungsregeln zu ändern. Object Lock, erzwungene Verschlüsselung und ein automatischer „Modern Airgap“ direkt nach dem Backup-Job kommen hinzu [10]. Anbieter, die dem US CLOUD Act unterliegen, sind nicht beteiligt [10].
Lohnt sich für
KRITIS-Betreiber und NIS2-pflichtige Unternehmen, Mittelständler ohne eigenen zweiten Standort und Organisationen, die eine souveräne Kopie ohne eigenes Cloud-Know-how brauchen.
Bedenken Sie: Weltweite Standorte bietet der ESV nicht. Wohin Sie wiederherstellen, bestimmt Ihre Backup-Software - unterstützt sie Restores nach AWS, Azure oder auf andere Plattformen, funktioniert das auch mit Daten aus dem ESV, ohne Egress-Gebühren [10].
Fazit: Der Ernstfall zählt, nicht die Monatsrechnung
Den einen besten S3-Anbieter gibt es nicht. Der Preis pro TB ist nurmehr ein Startpunkt für eine Entscheidung. Rechnen Sie Ihre tatsächliche Aufbewahrung, Ihre Änderungsrate und Ihr Restore-Szenario durch, bevor Sie sich festlegen. In Projekten sehen wir häufig Kombinationen, etwa eine souveräne Kopie in Deutschland und zusätzlich Vault für den Cloud-DR einzelner kritischer Systeme.
Entscheiden Sie nach dem Ernstfall, nicht nach der Monatsrechnung: Wohin müssen die Daten im Notfall, wie schnell – und wer darf sie bis dahin anfassen? Wenn Sie Ihr Szenario durchrechnen oder Anbieter in Ihrer Umgebung testen möchten, sprechen Sie uns an.
Quellen und Links
[1] Wasabi Technologies: „Pricing FAQs“, wasabi.com, 2026. Verfügbar unter: https://wasabi.com/pricing/faq
[2] Wasabi Technologies: „Wasabi Storage Regions“, wasabi.com, 2026. Verfügbar unter: https://wasabi.com/company/storage-regions
[3] Impossible Cloud: „For Veeam, Acronis & backup professionals“, impossiblecloud.com, 2026. Verfügbar unter: https://www.impossiblecloud.com/veeam
[4] Veeam Software: „Veeam Data Cloud Vault“ (Produktseite, Editionen und Preise), veeam.com, 2026. Verfügbar unter: https://www.veeam.com/products/veeam-data-cloud/cloud-storage-vault.html
[5] Veeam Software: „Veeam Data Cloud Vault for AWS Backup: Immutable Storage Outside Your AWS Account“, Veeam Blog, August 2026. Verfügbar unter: https://www.veeam.com/blog/vault-storage-for-aws.html
[6] Veeam Software: „Instant Recovery to Microsoft Azure“, Veeam Backup & Replication 13 User Guide, 2026. Verfügbar unter: https://helpcenter.veeam.com/docs/vbr/userguide/instant_recovery_to_azure.html
[7] Amazon Web Services: „Amazon S3 Pricing“, aws.amazon.com, 2026. Verfügbar unter: https://aws.amazon.com/s3/pricing/
[8] Microsoft: „Access tiers for blob data“, Microsoft Learn, 2026. Verfügbar unter: https://learn.microsoft.com/azure/storage/blobs/access-tiers-overview
[9] Amazon: „AWS Launches AWS European Sovereign Cloud and Announces Expansion Across Europe“, Pressemitteilung, Januar 2026. Verfügbar unter: https://press.aboutamazon.com/aws/2026/1/aws-launches-aws-european-sovereign-cloud-and-announces-expansion-across-europe
[10] Empalis Consulting GmbH: „Empalis Sovereign Vault (ESV)“, empalis.de, 2026. Verfügbar unter: https://www.empalis.de/en/solutions/empalis-sovereign-vault/
[11] Amazon Web Services: „AWS Global Infrastructure“, aws.amazon.com, Oktober 2026. Verfügbar unter: https://aws.amazon.com/about-aws/global-infrastructure/
[12] Microsoft: „Azure global infrastructure – datacenter regions“, datacenters.microsoft.com, Oktober 2026. Verfügbar unter: https://datacenters.microsoft.com/
[13] Impossible Cloud: „Preise“, impossiblecloud.com, 2026. Verfügbar unter: https://www.impossiblecloud.com/de-de/preise