Expert GuideProxmox: Anleitung zu Installation und Evaluierung zur VMware-Alternative

Claus Küthe — 05. Juni 2024
Lesezeit: 03:04 Minuten

Wie Sie die VMware-Alternative Promox installieren und evaluieren

In Folge der Übernahme von VMware bereitet die neue Preis- und Produktpolitik vielen VMware-Kunden Kopfzerbrechen, da sich der Einsatz von VMware unverhältnismäßig verteuern kann. Wir zeigen Ihnen mögliche Wege, und wie Sie die Alternative Proxmox aufsetzen.

Einleitung in die Proxmox-Installation 

In Folge der Übernahme von VMware bereitet die neue Preis- und Produktpolitik vielen VMware-Kunden Kopfzerbrechen. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sind die Leidtragenden dieser Politik, da sich der Einsatz von VMware unverhältnismäßig verteuern kann.

 

Vor diesem Hintergrund wird nach Alternativen gesucht. Der Goldstandard unter Linux ist KVM (Kernel-based virtual machine). KVM selbst ist aber noch kein an sich nutzbares Produkt, sondern eine Infrastruktur des Linux-Kernels, der zur Virtualisierung genutzt werden kann. Letztlich genutzt werden kann diese durch vor allem QEMU. Dies kann zwar über leistungsstarke Kommandozeilenwerkzeuge verwendet werden, stellt letztlich aber keine Plattformlösung dar, wie sie von VMware angeboten wird. Für sehr kleine Infrastrukturen (< 10 Hosts) ist ein reiner QEMU-Betrieb denkbar, eventuell flankiert durch eine Weboberfläche wie Cockpit; für größere Infrastrukturen wird man aber zunehmend die Möglichkeiten von vSphere missen.

 

Den nächsten Schritt kann man mit Proxmox VE (Proxmox Virtual Environment) gehen, einer auf Debian basierende Plattformlösung zur Steuerung einer Virtualisierungslösung basierend auf KVM und QEMU. Mitgebracht wird zudem Linux Containers (LXC).

Anforderungen

Zu den Mindestanforderungen zählen eine 64Bit-CPU mit Intel VT/AMD-V-Unterstützung und “mindestens 1GB RAM” sowie eine Festplatte und eine Netzwerkkarte. Diese Anforderungen haben wir für eine erste Testinstallation etwas großzügiger ausgelegt:

 

CPU: 8 CPU

RAM: 32 GB

HDD: 200 GB

 

Zur Evaluation haben wir eine VM innerhalb einer anderen Virtualisierungslösung verwendet. Dies ist möglich, wenn man die CPU an die virtuelle Maschine durchreicht. 

Proxmox-Installation Schritt für Schritt

Von der Proxmox-Seite kann, Stand heute, die Proxmox-Installationsdatei ohne weitere Umschweife als ISO-Datei heruntergeladen werden. Diese kann dann vermittels dd unter Linux oder einem Tool wie Rufus auf einen USB-Stick befördert werden.

 

Falls Sie eine Virtualisierungslösung nutzen, können Sie die ISO-Datei auf diese übertragen und verwenden, wenn Sie die virtuelle Maschine erstellen. 

 

Starten Sie den Host so, dass von Ihrem Datenträger gebootet wird.

Achtung: Natürlich werden im Verlauf der Installation alle Daten auf dem Zielsystem gelöscht.

Nach dem Booten sollten Sie direkt den Proxmox-Installationsbildschirm sehen:

Nach dem Booten sollten Sie direkt den Proxmox-Installationsbildschirm sehen
Proxmox-Installationsbildschirm

Wählen Sie nun “Install Proxmox VE (Graphical)” aus. Danach erhalten Sie einen ‘Wizard’, der Sie durch die Installation führt: 

  • Lesen Sie das End User License Agreement sorgfältig (zwinker, zwinker) und fahren Sie mit I agree fort.
  • Wählen Sie bei “Target Harddisk” die Zielfestplatte aus. Beachten Sie, dass Installer nicht immer eine ‘sinnvolle’ Reihenfolge der Festplatten auswählen, achten Sie also insofern darauf, dass Sie die richtige Zielfestplatte auswählen.
  • Fahren Sie mit Next fort.
  • Stellen Sie im nächsten Bereich Land, Zeitzone und Tastaturlayout ein, fahren Sie fort mit Next.
  • Im nächsten Fenster vergeben Sie ein sicheres root-Passwort, das Sie sowohl für den Login über Konsole/SSH als auch die Weboberfläche von Proxmox benötigen. Es sollte daher ausreichend sicher gewählt sein. Dazu können Sie eine E-Mail-Adresse angeben, an die Proxmox Benachrichtigungen senden kann. Fahren Sie fort mit Next.
  • Im nächsten Schritt können Sie die üblichen Werte für IP, Hostname, Gateway und DNS eintragen. Falls Sie einen DHCP-Server im Netzwerk haben, kann es sein, dass hier bereits eine IP-Adresse aus dem DHCP-Bereich vorgeschlagen wird, ich empfehle aber, eine feste IP-Adresse zu verwenden. Vergessen Sie nicht, den FQDN ebenfalls anzupassen. Fahren Sie fort mit Next.
  • Im nächsten Fenster sehen Sie noch mal eine Zusammenfassung eine Konfiguration und können mit Install die eigentliche Installation beginnen.

Proxmox-Oberfläche

Nach der Installation wird das System einmal neu gestartet und zeigt danach die übliche Linux-Konsole, auf der auch die Adresse der Weboberfläche Ihres Servers zu finden sein wird:

Wenn Sie diese Adresse aufrufen, werden Sie eine Zertifikatswarnung abnicken müssen, da der Server natürlich mit einem selbstsignierten SSL- Zertifikat installiert wurde. Danach können Sie sich mit dem Benutzer root und dem von Ihnen gewählten Passwort anmelden.

Nach der Anmeldung werden Sie gewarnt, dass Sie noch keine Subscription besitzen. Diese wäre für einen Produktiveinsatz dringend zu empfehlen, allein schon auf Grund der Sicherheitsupdates. Vorbildlich: unter Documentation rechts oben liefert Proxmox umfangreiche Dokumentation mit, die direkt in der Installation gelagert ist. Dadurch ist die Dokumentation passend zur verwendeten Version.

Repository-Anpassungen

Achtung: Die hier aufgeführte Anleitung spiegelt den Stand im Mai 2024 wieder. Bitte vergewissern Sie sich unter  https://pve.proxmox.com/wiki/Package_Repositories ob der Stand noch aktuell ist. Kopieren Sie die aufgeführten Befehle im Zweifel aus der Anleitung des Herstellers.

 

Wenn Sie Proxmox weiter verwenden und evaluieren wollen, empfehlen wir Ihnen mindestens den Erwerb der grundlegenden Support-Option (derzeit  “Community”, einsehbar unter https://www.proxmox.com/de/proxmoxvirtual-environment/preise). Damit erhalten Sie Zugriff auf das Enterprise-Repository von Proxmox und die neuesten Updates. Proxmox bietet daneben ein ‘No subscription’-Repository, das Sie jedoch getrennt einrichten müssen.

 

Loggen Sie sich hierzu mit ssh und dem bei der Installation vergebenen root-Passwort auf Ihrem Server ein und definieren Sie das nötige Repository:

echo "deb http://download.proxmox.com/debian/pve bookworm pve-no-subscription" > /etc/apt/sources.list.d/no-subscription.list

Danach können Sie Updates aus diesem Repository ziehen.

 

apt liefert zwar im Fall eines Updates Fehlermeldungen für die voreingestellten Enterprise-Repositories, die Sie aber vorerst ignorieren können.

Die erste VM

Nun aber soll direkt eine erste VM erstellt werden!

 

Hierzu gehen wir in dem Seitenmenü auf die Option für ISO Images:

ISO Images Proxmox
ISO-Upload

Die Option “Download from URL” funktionierte zumindest für Debian NetInstall. Alternativ dazu kann ein ISO von der eigenen Festplatte per Upload hochgeladen werden.

 

Steht das ISO bereit, können wir direkt den “Create VM”-Knopf in der Oberfläche oben rechts drücken. Der nachfolgende Prozess sollte jedem bekannt vorkommen, der bereits mit anderen Virtualisierungslösungen vertraut ist:

  • Unter General vergeben wir einen Namen.
  • Unter OS wählen wir das ISO-Abbild aus, das wir gerade hochgeladen haben.
  • System kann unverändert gelassen werden.
  • Bei Disks können die voreingestellten 32 GiB belassen oder verändert werden. 10 GiB sind für ein reines Testsystem mit Debian mehr als ausreichend.
  • CPU und Memory können nach Bedarf angepasst werden.
  • Bei Network ist mit vmbr0 bereits eine Netzwerkbrücke eingerichtet, die es ermöglicht, dass die virtuelle Maschine eine “öffentliche” IP aus dem gleichen Netzwerk wie der Proxmox- Server verwenden oder per DHCP beziehen kann.
  • Mit Confirm und Finish kann die virtuelle Maschine schließlich erstellt werden.

Die virtuelle Maschine erscheint danach im Seitenmenü und kann dort ausgewählt werden, um sie mit Start Now zu starten.

Fazit

Proxmox ist für kleine Infrastrukturen schnell eingerichtet und bietet letztlich wesentliche Funktionen, die man von VMware gewöhnt ist. Dazu muss gesagt werden, dass KVM-basierte Virtualisierung unserer Erfahrung nach stabil, schnell und ressourcenschonend ist. Hinsichtlich letzterem sei ergänzt, dass unser frisch installiertes Proxmox ohne Last ganze 327 MB RAM gezogen hat.

 

Ein Hemmnis bei der Verbreitung wird vor allem noch die fehlende, auf Proxmox zugeschnittene Unterstützung durch Anbieter von “Virtual Appliances” und Backup-Software sein. Hinsichtlich letzterem wird man sich zunächst auf eigene Konstruktionen stützen müssen.

André Wild

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André Wild, Consultant
Telefon +49172 541 142 29

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