Das Proxmox Virtual Environment oder Proxmox VE hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, da es VMware eine alternative Plattform zur Verwaltung von virtuellen Maschinen anbietet, allerdings basierend auf der quelloffenen Linux-Distribution Debian. Die Turbulenzen um die Übernahme von VMware durch Broadcom hat die Proxmox GmbH genutzt, um sich weiter am Markt zu positionieren und die weitere Entwicklung ihres Produkts vor allem in Hinblick auf Enterprise-Kunden voranzutreiben. Die neue Version 8.4 ist ein weiterer Schritt in diese Richtung und bringt entsprechende Funktionen mit.
Live Migration mit Mediated Devices
Mit "Mediated Devices" können physische Geräte als virtuelles Gerät mehreren virtuellen Maschinen verfügbar gemacht werden. Der genannte und vor allem naheliegende Anwendungsfall sind GPU-Geräte wie vor allem Grafikkarten von NVIDIA, die von professionellen Anwendern eher für KI oder andere rechenleistungsintensive, parallelisierbare Anwendungen verwendet werden, die sich gut auf GPUs abbilden lassen. Wenn mehrere Hosts über entsprechende GPU-Hardware verfügen und die nötige Unterstützung in Form von Treibern vorhanden ist, dann können ab jetzt Geräte mit Mediated Devices live migriert werden. Professionelle Anwender mit entsprechenden Use Cases können sich über einen unterbrechungsfreien Betrieb ihrer Dienste freuen.
Backup-API für Drittanbieter
Neu hinzugekommen ist eine API für Backups, die im Prinzip eine nahtlose Integration von Drittanbieter-Software in die Oberfläche von Proxmox VE ermöglicht. Veeam hat schon Schritte für die Integration von Proxmox VE unternommen und wirbt explizit mit entsprechender Unterstützung: https://www.veeam.com/de/products/virtual/proxmox-backup-recovery.html. Es ist davon auszugehen, dass hier kooperativ an einer weiteren Integration gearbeitet wird, die es z. B. erlauben wird, dass Backups aus der Oberfläche von Proxmox verwaltet werden. Ebenso ist davon auszugehen, dass andere Anbieter entsprechend nachziehen werden. Dies wird übliche Hürden auf dem Weg einer Migration weiter senken.
Geteiltes Verzeichnis zwischen Host und Gast mit virtiofs
Die in Desktop-Umgebungen beliebte Virtualisierungslösung VirtualBox unterstützt geteilte Verzeichnisse zwischen Gast und Host. Grundsätzlich ist dies über virtiofs auch mit dem Proxmox zugrundeliegenden KVM möglich, und wird jetzt über die Oberfläche von Proxmox VE angeboten ("Mapped Directories"). Dies stellt einen einfachen Weg dar, um Dateien zwischen mehreren VMs zu teilen.
Vorsicht
Diese Lösung skaliert in der Praxis nicht gut und kann dem Anwender für überschaubare Einsatzzwecke den Overhead eines eigenen Fileservers sparen, ist aber nicht für konkurrierende Schreibzugriffe und hohen Durchsatz optimiert.
Paketpflege
Neben den vorgenannten Änderungen hat Proxmox Paketpflege betrieben und stellt neuere Pakete von z. B. qemu bereit (bei nativem Debian qemu v12 9.0, bei Proxmox: v 9.2). Hier zeigt sich die Stärke des Open Source-Unterbaus: die Entwickler von Proxmox können im Großen und Ganzen Debian übernehmen und nur einzelne, kuratierte Pakete durch neuere Versionen austauschen.
Fazit
Das Upgrade auf 8.4 steht für fortlaufende Produktpflege und eine weitere Professionalisierung von Proxmox VE. Als für den Produktiveinsatz wesentlichste Änderung schätzen wir die Live Migration von virtuellen Maschinen mit Mediated Devices ein, da dies Proxmox für neue Anwendungsfälle attraktiv macht.
Die Backup-API wird in Zukunft zu einer besseren Unterstützung durch Drittanbieter führen. Geteilte Verzeichnisse mit virtiofs werden im Umfeld größerer Unternehmen eher eine untergeordnete Rolle spielen, können im Bereich kleinerer Infrastrukturen jedoch eine Lösung für bestimmte Aufgaben - etwa nur lesender Zugriff auf Dateisammlungen - darstellen.